Freitag, 29. Mai 2026

Musik und Tanz am Hauptmarkt


Festlicher hätte der letzte Abend nicht sein können.

 

 


Wieliczka: Zwischen Salz-Wundern, Zwergen, echtem Drama und Prinzessinnen-Gefühlen

Heute gönnen wir uns den absoluten Komfort: Ein privater Chauffeur holt uns direkt vor der Haustür ab, chauffiert uns entspannt zum weltberühmten Salzbergwerk Wieliczka und organisiert wie von Zauberhand auch gleich die Tickets. So fängt der Tag gut an! Vor Ort geht es mit einer deutsch-lastigen Truppe zur deutschen Führung unter die Erde.
 

Das Bergwerk ist ein historischer Gigant: Seit dem 13. Jahrhundert wird hier Salz abgebaut, es gehört zum allerersten UNESCO-Welterbe überhaupt und sogar Kaiser Franz Joseph war hier einst zu Besuch. Die Dimensionen sind unvorstellbar – das gesamte Labyrinth erstreckt sich über 9 Stockwerke bis in eine Tiefe von knapp 327 Metern. Unser touristischer Besichtigungsgang führt uns stolze 3,5 bis 4 Kilometer durch diese faszinierende Unterwelt aus Salzseen und der atemberaubenden, komplett aus Salz gemeißelten Kinga-Kapelle.
  








 

Bevor wir diese Schönheit aber bewundern können, steht uns ein echtes, menschliches Drama bevor. Der Abstieg beginnt traditionell über hunderte Holzstufen, die sich in einer engen Spirale in die Tiefe winden. Genau dort passiert es: Eine ältere Dame aus unserer Gruppe – eine waschechte Pifkonin – rebelliert. Ihr Körper streikt komplett. „Ich bin krank und kann nicht im Kreis die Treppen nach unten gehen. Ich will einen Lift. Mir wird schlecht bis zum Erbrechen“, würgt sie hervor. Wir sind erst ein paar Schritte vom Start entfernt. Der Guide reagiert sofort: „Wollen Sie wieder zurück?“ Die Antwort der Dame, trotzig und mit letzter Kraft: „Nein, ich will das Salzbergwerk sehen! Und hab’s eine Tüte (Speib-Sacker)l für mich mit?“ Ich schüttle den Kopf, warum hat sie sich nicht selbst eines mitgebracht? Ab diesem Moment ist ihr anzusehen, dass es ihr elend geht. Da fragt man sich im Stillen schon kopfschüttelnd: Warum tut man sich das an? Warum geht sie mit, wenn sie weiß, dass der eigene Körper das nicht packt? Wir scheinen das Pech aber gepachtet zu haben, denn eine Gruppe direkt vor uns hat ebenfalls einen medizinischen Notfall – ein Mann muss vom Bergpersonal abgeholt werden. Ein mulmiges Gefühl wandert kurz mit.
Abgesehen von diesen Aufregungen ist das Bergwerk aber einfach ein absoluter Traum und tief beeindruckend. Am Ende der Tour, wieder sicher über Tage angekommen, nutze ich die Gelegenheit und erstehe beim Ausgang noch ein paar feine, salzhaltige Beauty-Produkte für die Wellness zu Hause.
Danach gibt es ein hervorragendes Essen, und exakt im richtigen Moment steht auch schon wieder unser Chauffeur parat, um uns müde, aber glücklich zurückzufahren. Ich lehne mich in den Sitz zurück und genieße den Moment. Ganz ehrlich: Das Leben kann manchmal wirklich herrlich prinzessinnenhaft sein!
 

 

Donnerstag, 28. Mai 2026

Kultur-Marathon, Kunstgenies und Roberts Kapitulation

Heute steht wieder ein volles Programm auf dem Zettel – so voll, dass uns zwischendurch kurz die Puste ausgeht! Wir starten beim Bischofspalast mit seinem berühmten „Papstfenster“, von wo aus Johannes Paul II. früher immer zu den Jugendlichen spricht.

 

 
 

Gleich nebenan geht es ins Gotik-Museum (Ciołek-Palast), das mit seinen uralten, sakralen Kunstwerken und Ikonen eine ganz eigene, fast mystische Ruhe ausstrahlt.



Johann III Sobieki - der Retter Wiens. 


Genau dort passiert es dann: Kultur-Overload! Robert wirft das Handtuch und gibt offiziell auf. Die Beine wollen nicht mehr, die Augen sind rot und der Kopf geht über. Er flüchtet in die Wohnung und legt sich flach. Ich gönne mir stattdessen ein weltliches Vergnügen: den Kauf einer schicken neuen Handtasche und ein paar frischen Shirts für Robert, um die Lebensgeister wieder zu wecken. Hat bei mir zumindest phantastisch funktioniert!
Frisch motiviert und mit den Einkäufen im Rucksackerl marschiere ich alleine weiter und besuche das Jan-Matejko-Haus. Matejko ist der polnische Nationalmaler schlechthin – absolut vergleichbar mit Hans Makart in Wien – und berühmt für seine riesigen, dramatischen Historiengemälde. In seinem Wohnhaus bekommt man einen genialen Einblick in sein Leben und Schaffen.
 




 Gleich danach besuche ich das Josef-Mehoffer-Haus – und das ist ein echter Traum. Mehoffer ist ein Meister des Jugendstils (ein polnischer Klimt, wenn man so will – die beiden kennen sich ja sogar von der Wiener Akademie der bildenden Künste), sein Schwerpunkt Glasmalerei. Sein Haus präsentiert sich als echtes Gesamtkunstwerk. Die bunten Räume, die Jugendstil-Möbel und vor allem der wunderschöne, idyllische Garten mitten in der Stadt sind einfach überwältigend. Um den Tag gebührend abzuschließen, genieße ich dort ein Glaserl kalten Weißwein im grünen Garten.
 
 

 


 
Zurück in der Wohnung die Überraschung: Robert ist wieder ausgeschlafen und der Installateur hat heroisch ein kleines Badezimmerproblem gelöst. Jetzt lege ich mich erst mal kurz nieder, bevor es zum gemeinsamen Abendessen geht.
Das Fazit des Tages: Die Mägen sind voll, die Taschen auch, die Köpfe sowieso. Und Roberts Füße zeigen eine leichte Wanderröte und hoffen inständig auf ein Happy End im Sitzen!

Mittwoch, 27. Mai 2026

Die Marienkirche und das Wunder von Veit Stoß

Wenn man in Krakau ist, führt am Hauptmarktplatz kein Weg an ihr vorbei: der mächtigen Marienkirche. Drinnen erwartet einen ein wahrer Farbrausch aus Rot, Blau und Gold, aber das unumstrittene Herzstück ist der weltberühmte Hochaltar von Veit Stoß aus dem 15. Jahrhundert. Ein absolutes Meisterwerk der Spätgotik! Wenn man vor diesem riesigen, aus Lindenholz geschnitzten Altar steht, klappt einem erst mal die Kinnlade herunter. Die Figuren (2,70 m) sind so lebendig und detailreich gestaltet – man meint fast, sie würden jeden Moment zu atmen beginnen.
  
 
Das eigentliche Highlight ist aber kein Kunstwerk, sondern ein tägliches Ritual mit Gänsehaut-Garantie: Am späten Nachmittag wird der Altar feierlich geschlossen. Und wer macht das? Keine mächtige Maschine, sondern die kleinste Schwester des Ordens. Wenn diese zierliche Nonne mit Seelenruhe nach vorne schreitet und die riesigen, tonnenschweren Altarflügel ganz behutsam mit einem langen Stab zuklappt, verstummen die Besucher, sie lauschen einer ehrwürdigen Musik. Ein tief berührender, fast magischer Moment, der einen ganz klein und ehrfürchtig werden lässt. Ein perfekter, stiller Kontrast zum Trubel draußen auf dem Markt!
 
 


 

Von tierischen Irrtümern, Wiener Spuren und der perfekten Rübensuppe


Man lernt ja nie aus. Wenn man als Wiener „Dame mit demHermelin“ hört, denkt man im ersten Reflex natürlich an eine gut situierte Dame im edlen Hermelinpelzmantel, die vermutlich gerade auf dem Weg in die Staatsoper ist. Tja, denkste! Im großartigen Czartoryski-Museum wurde ich eines Besseren belehrt: Da hält die elegante Dame tatsächlich das lebendige Tier im Arm! Leonardo da Vinci hat das Tierchen übrigens nicht ohne Grund gemalt – das Hermelin galt damals als Symbol für Reinheit und Maßhaltung (auch wenn es ein bisserl wie ein hochbegabtes Wiesel ausschaut).
 


 
Besonders spannend für das rot-weiß-rote Herz: Die Adelsfamilie Czartoryski hat tiefe Spuren in der Heimat hinterlassen. Im 18. Wiener Gemeindebezirk gibt es ja heute noch die Czartoryskigasse – nur das dazugehörige Palais in Währing, das existiert leider nicht mehr. Da muss man erst nach Krakau reisen, um das Erbe quasi „in groß“ zu bewundern.
Ein absolutes persönliches Highlight im Museum war für mich eine ganz bestimmte Medaille von Ignaz Bendl aus dem Jahr 1684, die die Gründung der Heiligen Liga feiert. Als geschulter Wiener habe ich beim Vorbeigehen sofort ein vertrautes Gesicht erkannt: Kaiser Leopold I. – die markante Habsburgerlippe ist einfach ein verlässliches Markenzeichen! Direkt daneben blitzte mir ein venezianischer Dogenhut entgegen. Ein richtiges kleines Stück Heimatgeschichte mitten in Polen, das zeigt, wie eng unsere Schicksale damals im Kampf gegen die Osmanen verwoben waren. 
 
 
Nach so viel Hochkultur ging es weiter zu den Barbaken – dieser wehrhaften, runden Festungsanlage – und von dort direkt zur kulinarischen Pflichtlektüre: Eine echte polnische Rote-Rübensuppe (Barszcz), das Nationalgericht schlechthin. Herrlich!
 

Gut gestärkt folgten zwei kleinere, aber feine Museumsperlen: Zuerst das Museum der Stadt Krakau, wo alte Straßenbahnen und historische Glocken aufstießen, und gleich danach das Stanisław-Wyspiański-Museum. Ein Wahnsinn, was dieser Mann alles konnte – von Möbeldesign über Mode bis hin zu Architektur und Technik. Ein echtes Universalgenie. 
 


 

Zum Drüberstreuen gab es noch den klassischen Pflichttermin: Einmal gemütlich durch die geschäftigen Tuchhallen schlendern, quasi im Vorbeigehen in die winzige, uralte St. Adalbert Kirche hinunterfallen und danach im Stammcafé am Hauptmarkt bei der verdienten Melange (oder dem polnischen Äquivalent) die Leute beobachten.
 

 
Jetzt bin ich wieder in der Wohnung angekommen und es gilt das bewährte Krakau-Ritual: Couch belagern, Füße hochlagern und den Kopf die vielen Eindrücke sortieren lassen. Was für ein Tag!

Dienstag, 26. Mai 2026

Der Wawel-Marathon für Enthusiasten (inklusive Nachhilfe für Wien)

Nachdem ich gestern um Punkt 22:00 Uhr hochoffiziell ins Schlaf-Koma gefallen bin, war das Aufstehen heute ein Klacks. Ein bisserl Haferflocken, ein bisserl Joghurt zur Stärkung – und los ging das Mammutprogramm. Wenn schon Wawel, dann gescheit: Ich hatte das Ticket für „Enthusiasten“. Das bedeutet übersetzt: Einmal alles, bitte! Und zwar pünktlich im ersten Time-Slot um 09:00 Uhr, bevor die großen Touristenströme die Burg stürmen. Das Wetter ist super, 24° und viel Sonne.
 
 
 
    
Der Wawel ist ja nicht einfach nur eine Burg, sondern das historische Herz Polens. Hier residierten jahrhundertelang die Könige, hier schlägt die Seele des Landes. Mein Weg führte mich durch den Wawel-Underground, vorbei an den Schätzen der königlichen Schatzkammer, durch die prunkvollen Repräsentationsräume, hinauf auf die Terrasse und durch die Renaissance-Gärten.
 
Ziegelsteine für die Restaurierung 1921 - der Spender wird am Ziegel genannt.
 
 
 




Mein absolutes Highlight war aber weder Gold noch Silber, sondern ein technologisches Wunderwerk: der Audio-Guide. Burschen und Mädel in Wien, passt jetzt ganz genau auf, hier dürft ihr wirklich was lernen! Das Ding ist der „besteste“ Guide aller Zeiten. Man betritt einen Raum, der Guide weiß per Standorterkennung sofort, wo man ist, und plappert los. Man geht weiter, er schaltet automatisch um. Keine Ziffern mühsam in ein Tastenfeld klopfen, kein Suchen auf einem Bildschirm – alles läuft vollautomatisch, inklusive exakter Zeitangabe für jeden Abschnitt. Ein absoluter Traum von Organisation.


 
 

Nach diesem geschichtsträchtigen Kultur-Marathon war der Akku erst mal leer auch vom Phone. Mittags gab es die verdiente Stärkung in der Wawel Trattoria, gefolgt von einem echten Geniestreich: ein ausgiebiges Schläfchen im Liegestuhl im Schatten einer riesigen Platane, direkt auf dem Burggelände. So lässt es sich als imperialer Tourist leben.
Um 17:00 Uhr bin ich dann vollkommen erledigt, aber glücklich, in der Wohnung angekommen. Jetzt heißt es nur noch: Füße hoch und den royalen Muskelkater pflegen! Robert Beine können die viele Bewegung kaum fassen.


Krakauer Lebensart: Von süßen Versuchungen, reitenden Legenden und der perfekten Park-Oase

Wer durch Krakau spaziert, merkt schnell: Diese Stadt verzaubert nicht nur mit ihrer Geschichte, sondern mit einem ganz besonderen Lebensgef...