Man lernt ja nie aus. Wenn man als Wiener „Dame mit demHermelin“ hört, denkt man im ersten Reflex natürlich an eine gut situierte Dame
im edlen Hermelinpelzmantel, die vermutlich gerade auf dem Weg in die Staatsoper ist.
Tja, denkste! Im großartigen Czartoryski-Museum wurde ich eines Besseren
belehrt: Da hält die elegante Dame tatsächlich das lebendige Tier im
Arm! Leonardo da Vinci hat das Tierchen übrigens nicht ohne Grund gemalt – das
Hermelin galt damals als Symbol für Reinheit und Maßhaltung (auch wenn es ein
bisserl wie ein hochbegabtes Wiesel ausschaut).
Besonders spannend für das rot-weiß-rote Herz: Die
Adelsfamilie Czartoryski hat tiefe Spuren in der Heimat hinterlassen. Im 18.
Wiener Gemeindebezirk gibt es ja heute noch die Czartoryskigasse – nur das
dazugehörige Palais in Währing, das existiert leider nicht mehr. Da muss man
erst nach Krakau reisen, um das Erbe quasi „in groß“ zu bewundern.
Ein absolutes persönliches Highlight im Museum war für mich
eine ganz bestimmte Medaille von Ignaz Bendl aus dem Jahr 1684, die die
Gründung der Heiligen Liga feiert. Als geschulter Wiener habe ich beim
Vorbeigehen sofort ein vertrautes Gesicht erkannt: Kaiser Leopold I. – die
markante Habsburgerlippe ist einfach ein verlässliches Markenzeichen! Direkt
daneben blitzte mir ein venezianischer Dogenhut entgegen. Ein richtiges kleines
Stück Heimatgeschichte mitten in Polen, das zeigt, wie eng unsere Schicksale
damals im Kampf gegen die Osmanen verwoben waren.
Nach so viel Hochkultur ging es weiter zu den Barbaken –
dieser wehrhaften, runden Festungsanlage – und von dort direkt zur
kulinarischen Pflichtlektüre: Eine echte polnische Rote-Rübensuppe (Barszcz),
das Nationalgericht schlechthin. Herrlich!
Gut gestärkt folgten zwei kleinere, aber feine
Museumsperlen: Zuerst das Museum der Stadt Krakau, wo alte Straßenbahnen und
historische Glocken aufstießen, und gleich danach das Stanisław-Wyspiański-Museum.
Ein Wahnsinn, was dieser Mann alles konnte – von Möbeldesign über Mode bis hin
zu Architektur und Technik. Ein echtes Universalgenie.
Zum Drüberstreuen gab es noch den klassischen Pflichttermin:
Einmal gemütlich durch die geschäftigen Tuchhallen schlendern, quasi im
Vorbeigehen in die winzige, uralte St. Adalbert Kirche hinunterfallen und
danach im Stammcafé am Hauptmarkt bei der verdienten Melange (oder dem
polnischen Äquivalent) die Leute beobachten.
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