Samstag, 30. Mai 2026

Krakauer Lebensart: Von süßen Versuchungen, reitenden Legenden und der perfekten Park-Oase

Wer durch Krakau spaziert, merkt schnell: Diese Stadt verzaubert nicht nur mit ihrer Geschichte, sondern mit einem ganz besonderen Lebensgefühl. Es sind die kleinen, feinen Details im Straßenbild, die den Aufenthalt hier so unverwechselbar machen.


 
Da sind zum einen diese herrlichen, süßen Düfte, die an jeder Ecke in die Nase steigen. Man kommt einfach nicht an den Ständen mit dem traditionellen gerollten Teig vorbei (ob als herzhafter Obwarzanek mit Sesam oder in der süßen, zimtigen Baumstriezel-Variante). Ein absoluter Fixpunkt für den kleinen Hunger zwischendurch!
  
  
  
 Wer es lieber deftig und absolut authentisch mag, kommt am flüssigen Gold Polens nicht vorbei: der klassischen roten Rübensuppe (Barszcz). Diese Suppe ist ein echtes Nationalgericht und eine absolute Offenbarung. Knallrot, wunderbar aromatisch und perfekt abgeschmeckt – nach einem langen Fußmarsch gibt es kaum etwas Besseres, um die Lebensgeister zu wecken. Kulinarische Pflichtlektüre für jeden Krakau-Besucher!
 
 
 
Pierogi sind gefüllte Teigtascherl mit Fleich oder Frischkäse und Gemüse.
 

 
Und wo wir gerade so herrlich beim Schlemmen sind: Was wäre dieser Ort ohne die weltberühmte Krakauer Wurst? Wenn man als Wiener glaubt, man kennt eine „Krakauer“, wird man hier schnell eines Besseren belehrt. Das Original (Kiełbasa Krakowska) ist eine absolute Offenbarung für den Gaumen – herrlich würzig, perfekt geräuchert und mit einem Biss, von dem man zu Hause nur träumen kann. Ob heiß aus dem Kessel oder kalt aufgeschnitten auf einem kräftigen Stück Brot: Sie schmeckt einfach nach echter, ehrlicher Handwerkskunst.
 
Beim Schlendern über den Prachtmarkt begegnet einem auch immer wieder ein kurioses Bild: der Lajkonik, der berühmte Reiter im tatarischen Gewand. Es bringt angeblich Glück, wenn man vom Lajkonik mit seinem Stecken berührt wird. Ein wunderbar lebendiges Stück Stadtgeschichte!
 

Wenn man dann ein bisserl Ruhe vom geschäftigen Treiben sucht, stolpert man direkt in das grüne Herz der Stadt: die Planty. Dieser grandiose grüne Gürtel umschließt die gesamte Altstadt dort, wo früher die alten Stadtmauern standen. Ein absolutes Juwel! Wien hat seinen Prachtboulevard, den Ring – aber Krakau hat sich stattdessen eine kilometerlange, schattige Oase aus Bäumen, Bänken und Promenaden gegönnt. Einfach herrlich, um im Schatten zu flanieren.
 

Die Lokale und Restaurants durchgehend schön gestaltet und einladend zum Verweilen. Preise sehr moderat im Gegensatz zu Wien. Obwohl ich mich meist im touristen Teil der Stadt, also der Altstadt, bewege.
 
 
 
Dabei fällt einem auch die wunderbare Dynamik auf den Straßen auf. Die Stadt ist unglaublich lebendig, voller schöner Lokale und voll von jungen Leuten. Es fällt richtig ins Auge: Die Menschen hier wirken fit, schlank, haben eine tolle Figur und – was besonders schön ist – sie sind herrlich natürlich belassen. Keine künstliche Überfremdung, sondern eine frische, unbeschwerte Ausstrahlung, die perfekt zu diesem hippen, modernen Krakau passt.
Man sitzt im Gastgarten, schaut dem Treiben zu und stellt fest: Krakau hat einfach den perfekten Rhythmus!

Heute, am Abreisetag, erstmals keine Sonne. Es regnet. 

Freitag, 29. Mai 2026

Musik und Tanz am Hauptmarkt


Festlicher hätte der letzte Abend nicht sein können.

 

 


Wieliczka: Zwischen Salz-Wundern, Zwergen, echtem Drama und Prinzessinnen-Gefühlen

Heute gönnen wir uns den absoluten Komfort: Ein privater Chauffeur holt uns direkt vor der Haustür ab, chauffiert uns entspannt zum weltberühmten Salzbergwerk Wieliczka und organisiert wie von Zauberhand auch gleich die Tickets. So fängt der Tag gut an! Vor Ort geht es mit einer deutsch-lastigen Truppe zur deutschen Führung unter die Erde.
 

Das Bergwerk ist ein historischer Gigant: Seit dem 13. Jahrhundert wird hier Salz abgebaut, es gehört zum allerersten UNESCO-Welterbe überhaupt und sogar Kaiser Franz Joseph war hier einst zu Besuch. Die Dimensionen sind unvorstellbar – das gesamte Labyrinth erstreckt sich über 9 Stockwerke bis in eine Tiefe von knapp 327 Metern. Unser touristischer Besichtigungsgang führt uns stolze 3,5 bis 4 Kilometer durch diese faszinierende Unterwelt aus Salzseen und der atemberaubenden, komplett aus Salz gemeißelten Kinga-Kapelle.
  








 

Bevor wir diese Schönheit aber bewundern können, steht uns ein echtes, menschliches Drama bevor. Der Abstieg beginnt traditionell über hunderte Holzstufen, die sich in einer engen Spirale in die Tiefe winden. Genau dort passiert es: Eine ältere Dame aus unserer Gruppe – eine waschechte Pifkonin – rebelliert. Ihr Körper streikt komplett. „Ich bin krank und kann nicht im Kreis die Treppen nach unten gehen. Ich will einen Lift. Mir wird schlecht bis zum Erbrechen“, würgt sie hervor. Wir sind erst ein paar Schritte vom Start entfernt. Der Guide reagiert sofort: „Wollen Sie wieder zurück?“ Die Antwort der Dame, trotzig und mit letzter Kraft: „Nein, ich will das Salzbergwerk sehen! Und hab’s eine Tüte (Speib-Sacker)l für mich mit?“ Ich schüttle den Kopf, warum hat sie sich nicht selbst eines mitgebracht? Ab diesem Moment ist ihr anzusehen, dass es ihr elend geht. Da fragt man sich im Stillen schon kopfschüttelnd: Warum tut man sich das an? Warum geht sie mit, wenn sie weiß, dass der eigene Körper das nicht packt? Wir scheinen das Pech aber gepachtet zu haben, denn eine Gruppe direkt vor uns hat ebenfalls einen medizinischen Notfall – ein Mann muss vom Bergpersonal abgeholt werden. Ein mulmiges Gefühl wandert kurz mit.
Abgesehen von diesen Aufregungen ist das Bergwerk aber einfach ein absoluter Traum und tief beeindruckend. Am Ende der Tour, wieder sicher über Tage angekommen, nutze ich die Gelegenheit und erstehe beim Ausgang noch ein paar feine, salzhaltige Beauty-Produkte für die Wellness zu Hause.
Danach gibt es ein hervorragendes Essen, und exakt im richtigen Moment steht auch schon wieder unser Chauffeur parat, um uns müde, aber glücklich zurückzufahren. Ich lehne mich in den Sitz zurück und genieße den Moment. Ganz ehrlich: Das Leben kann manchmal wirklich herrlich prinzessinnenhaft sein!
 

 

Donnerstag, 28. Mai 2026

Kultur-Marathon, Kunstgenies und Roberts Kapitulation

Heute steht wieder ein volles Programm auf dem Zettel – so voll, dass uns zwischendurch kurz die Puste ausgeht! Wir starten beim Bischofspalast mit seinem berühmten „Papstfenster“, von wo aus Johannes Paul II. früher immer zu den Jugendlichen spricht.

 

 
 

Gleich nebenan geht es ins Gotik-Museum (Ciołek-Palast), das mit seinen uralten, sakralen Kunstwerken und Ikonen eine ganz eigene, fast mystische Ruhe ausstrahlt.



Johann III Sobieki - der Retter Wiens. 


Genau dort passiert es dann: Kultur-Overload! Robert wirft das Handtuch und gibt offiziell auf. Die Beine wollen nicht mehr, die Augen sind rot und der Kopf geht über. Er flüchtet in die Wohnung und legt sich flach. Ich gönne mir stattdessen ein weltliches Vergnügen: den Kauf einer schicken neuen Handtasche und ein paar frischen Shirts für Robert, um die Lebensgeister wieder zu wecken. Hat bei mir zumindest phantastisch funktioniert!
Frisch motiviert und mit den Einkäufen im Rucksackerl marschiere ich alleine weiter und besuche das Jan-Matejko-Haus. Matejko ist der polnische Nationalmaler schlechthin – absolut vergleichbar mit Hans Makart in Wien – und berühmt für seine riesigen, dramatischen Historiengemälde. In seinem Wohnhaus bekommt man einen genialen Einblick in sein Leben und Schaffen.
 




 Gleich danach besuche ich das Josef-Mehoffer-Haus – und das ist ein echter Traum. Mehoffer ist ein Meister des Jugendstils (ein polnischer Klimt, wenn man so will – die beiden kennen sich ja sogar von der Wiener Akademie der bildenden Künste), sein Schwerpunkt Glasmalerei. Sein Haus präsentiert sich als echtes Gesamtkunstwerk. Die bunten Räume, die Jugendstil-Möbel und vor allem der wunderschöne, idyllische Garten mitten in der Stadt sind einfach überwältigend. Um den Tag gebührend abzuschließen, genieße ich dort ein Glaserl kalten Weißwein im grünen Garten.
 
 

 


 
Zurück in der Wohnung die Überraschung: Robert ist wieder ausgeschlafen und der Installateur hat heroisch ein kleines Badezimmerproblem gelöst. Jetzt lege ich mich erst mal kurz nieder, bevor es zum gemeinsamen Abendessen geht.
Das Fazit des Tages: Die Mägen sind voll, die Taschen auch, die Köpfe sowieso. Und Roberts Füße zeigen eine leichte Wanderröte und hoffen inständig auf ein Happy End im Sitzen!

Mittwoch, 27. Mai 2026

Die Marienkirche und das Wunder von Veit Stoß

Wenn man in Krakau ist, führt am Hauptmarktplatz kein Weg an ihr vorbei: der mächtigen Marienkirche. Drinnen erwartet einen ein wahrer Farbrausch aus Rot, Blau und Gold, aber das unumstrittene Herzstück ist der weltberühmte Hochaltar von Veit Stoß aus dem 15. Jahrhundert. Ein absolutes Meisterwerk der Spätgotik! Wenn man vor diesem riesigen, aus Lindenholz geschnitzten Altar steht, klappt einem erst mal die Kinnlade herunter. Die Figuren (2,70 m) sind so lebendig und detailreich gestaltet – man meint fast, sie würden jeden Moment zu atmen beginnen.
  
 
Das eigentliche Highlight ist aber kein Kunstwerk, sondern ein tägliches Ritual mit Gänsehaut-Garantie: Am späten Nachmittag wird der Altar feierlich geschlossen. Und wer macht das? Keine mächtige Maschine, sondern die kleinste Schwester des Ordens. Wenn diese zierliche Nonne mit Seelenruhe nach vorne schreitet und die riesigen, tonnenschweren Altarflügel ganz behutsam mit einem langen Stab zuklappt, verstummen die Besucher, sie lauschen einer ehrwürdigen Musik. Ein tief berührender, fast magischer Moment, der einen ganz klein und ehrfürchtig werden lässt. Ein perfekter, stiller Kontrast zum Trubel draußen auf dem Markt!
 
 


 

Von tierischen Irrtümern, Wiener Spuren und der perfekten Rübensuppe


Man lernt ja nie aus. Wenn man als Wiener „Dame mit demHermelin“ hört, denkt man im ersten Reflex natürlich an eine gut situierte Dame im edlen Hermelinpelzmantel, die vermutlich gerade auf dem Weg in die Staatsoper ist. Tja, denkste! Im großartigen Czartoryski-Museum wurde ich eines Besseren belehrt: Da hält die elegante Dame tatsächlich das lebendige Tier im Arm! Leonardo da Vinci hat das Tierchen übrigens nicht ohne Grund gemalt – das Hermelin galt damals als Symbol für Reinheit und Maßhaltung (auch wenn es ein bisserl wie ein hochbegabtes Wiesel ausschaut).
 


 
Besonders spannend für das rot-weiß-rote Herz: Die Adelsfamilie Czartoryski hat tiefe Spuren in der Heimat hinterlassen. Im 18. Wiener Gemeindebezirk gibt es ja heute noch die Czartoryskigasse – nur das dazugehörige Palais in Währing, das existiert leider nicht mehr. Da muss man erst nach Krakau reisen, um das Erbe quasi „in groß“ zu bewundern.
Ein absolutes persönliches Highlight im Museum war für mich eine ganz bestimmte Medaille von Ignaz Bendl aus dem Jahr 1684, die die Gründung der Heiligen Liga feiert. Als geschulter Wiener habe ich beim Vorbeigehen sofort ein vertrautes Gesicht erkannt: Kaiser Leopold I. – die markante Habsburgerlippe ist einfach ein verlässliches Markenzeichen! Direkt daneben blitzte mir ein venezianischer Dogenhut entgegen. Ein richtiges kleines Stück Heimatgeschichte mitten in Polen, das zeigt, wie eng unsere Schicksale damals im Kampf gegen die Osmanen verwoben waren. 
 
 
Nach so viel Hochkultur ging es weiter zu den Barbaken – dieser wehrhaften, runden Festungsanlage – und von dort direkt zur kulinarischen Pflichtlektüre: Eine echte polnische Rote-Rübensuppe (Barszcz), das Nationalgericht schlechthin. Herrlich!
 

Gut gestärkt folgten zwei kleinere, aber feine Museumsperlen: Zuerst das Museum der Stadt Krakau, wo alte Straßenbahnen und historische Glocken aufstießen, und gleich danach das Stanisław-Wyspiański-Museum. Ein Wahnsinn, was dieser Mann alles konnte – von Möbeldesign über Mode bis hin zu Architektur und Technik. Ein echtes Universalgenie. 
 


 

Zum Drüberstreuen gab es noch den klassischen Pflichttermin: Einmal gemütlich durch die geschäftigen Tuchhallen schlendern, quasi im Vorbeigehen in die winzige, uralte St. Adalbert Kirche hinunterfallen und danach im Stammcafé am Hauptmarkt bei der verdienten Melange (oder dem polnischen Äquivalent) die Leute beobachten.
 

 
Jetzt bin ich wieder in der Wohnung angekommen und es gilt das bewährte Krakau-Ritual: Couch belagern, Füße hochlagern und den Kopf die vielen Eindrücke sortieren lassen. Was für ein Tag!

Krakauer Lebensart: Von süßen Versuchungen, reitenden Legenden und der perfekten Park-Oase

Wer durch Krakau spaziert, merkt schnell: Diese Stadt verzaubert nicht nur mit ihrer Geschichte, sondern mit einem ganz besonderen Lebensgef...