Wenn man in Krakau ist, führt am Hauptmarktplatz kein Weg an
ihr vorbei: der mächtigen Marienkirche. Drinnen erwartet einen ein wahrer
Farbrausch aus Rot, Blau und Gold, aber das unumstrittene Herzstück ist der
weltberühmte Hochaltar von Veit Stoß aus dem 15. Jahrhundert. Ein absolutes
Meisterwerk der Spätgotik! Wenn man vor diesem riesigen, aus Lindenholz
geschnitzten Altar steht, klappt einem erst mal die Kinnlade herunter. Die
Figuren (2,70 m) sind so lebendig und detailreich gestaltet – man meint fast,
sie würden jeden Moment zu atmen beginnen.
Das eigentliche Highlight ist aber kein Kunstwerk, sondern
ein tägliches Ritual mit Gänsehaut-Garantie: Am späten Nachmittag wird der
Altar feierlich geschlossen. Und wer macht das? Keine mächtige Maschine,
sondern die kleinste Schwester des Ordens. Wenn diese zierliche Nonne mit
Seelenruhe nach vorne schreitet und die riesigen, tonnenschweren Altarflügel
ganz behutsam mit einem langen Stab zuklappt, verstummen die Besucher, sie
lauschen einer ehrwürdigen Musik. Ein tief berührender, fast magischer Moment,
der einen ganz klein und ehrfürchtig werden lässt. Ein perfekter, stiller
Kontrast zum Trubel draußen auf dem Markt!
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